bbs-row@lk-row.de
+49 (0)4261-983-3636

Die Chance nutzen, vielfältig zu sein

„Ich lebe in zwei Welten. Ich suche, wo ich hingehöre […] und ich möchte einfach zur Gesellschaft dazugehören,“ äußert Yasmin aus der FSQ2E, eine junge Deutschkurdin. Sie spricht mit leiser Stimme in das Mikrofon der vollbesetzten und doch mucksmäuschenstillen Aula der BBS Rotenburg Wümme. Die Afrodeutsche Mo Asumang, Botschafterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und heute bei uns zu Gast, um sich für Integration stark zu machen und das Thema Rassismus von einer neuen Perspektive anzugehen, lächelt die Schülerin an und nickt. Sie nutzt die Worte ihres Vaters um zu reagieren: „Du brauchst nicht zu überlegen, was du bist: Du kannst beides sein. […] Du bist Brückenbauer!“

Mo Asumang ist am heutigen 14.03.2019 an den BBS Rotenburg Wümme um für Nächstenliebe und Offenheit zu werben, ihrem Wunsch nach Demokratie Ausdruck zu verleihen und einen klaren Appell zu setzten dafür, dass Gegebenheiten hinterfragt werden müssen um Menschen dazu zu bewegen, dass sie selbst ihr Handeln reflektieren: „Kann ich ein Umdenken von einem Rassisten verlangen, wenn niemals jemand hinterfragt, was er tut?“ Nein, urteilt Mo Asumang. Sie berichtet von einem persönlichen, tief ergreifenden Erlebnis, das Auslöser dafür war, sich auf eine filmische Spurensuche nach ihrer Identität als schwarze Deutsche zu begeben: Eine Morddrohung der Neo-Naziband White Aryan Rebels, die in einem Lied sangen „Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang“. Dieser Schock inspirierte die junge Moderatorin, Produzentin, Regisseurin, Schauspielerin und Dozentin zu hinterfragen, was hinter der Idee des Ariers, des Herrenmenschen steckt: „Vielleicht kann ich Rassismus besser verstehen, wenn ich mit den Rassisten selbst spreche?!“ Sie begibt sich daher mutig zu Pseudo-Ariern auf Nazidemos, reist zu den wahren Ariern, die im Iran beheimatet sind, trifft sich in den USA zu Gesprächen mit weltweit berüchtigten Rassisten und geht mitten in der Nacht auf einem einsamen Straßenabschnitt in den Dialog mit Anhängern des Ku Klux Klans. „Ich hatte einfach das Gefühl, etwas tun zu müssen,“ äußert Mo Asumang. So entstand ihr beeindruckender Dokumentarfilm Die ARIER, der den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften der BBS Rotenburg Wümme heute gezeigt wurde. Vorab wusste sicher kaum jemand, dass IRAN wörtlich übersetzt das Land der Arier heißt und die wahren Arier aus diesem Land stammen, so belege es eine vor 2500 Jahren in Stein gemeißelte Inschrift in diesem Land. Sprachwissenschaftler hätten den Begriff fehlerhaft besetzt übernommen und Hitler habe diesen schließlich missbraucht, um seine Rassenideologie auf ihm aufzubauen. „Die Vorstellung der Neonazis von Ariern ist von Grund auf falsch,“ lautet das zusammenfassende Urteil von Mo Asumang, „es handelt sich hierbei schlicht um FakeNews.“

Für viele von uns, die im beschaulichen Landkreis Rotenburg Wümme leben, mag es nur schwer vorstellbar sein, dass Rassismus noch immer ein Kernproblem in unserer Gesellschaft ist. Auch Bürgermeister und Pate Andreas Weber, der neben unserem Schulleiter Wolf Hertz-Kleptow und unserer stellvertretenden Schulleiterin Katharina Engelhardt an der Veranstaltung teilnahm, äußerte, dass er nach 2016/2017 guter Dinge gewesen sei, dass Rassismus bei uns keine Rolle spiele. Zu dieser Zeit kamen 420 Flüchtlinge in unseren Landkreis, die für sein Dafürhalten wunderbar aufgenommen, toll integriert und durch die Kooperation mit unseren BBS sozial unterstützt und sprachlich gefördert wurden. Doch dann habe ihn aus dem Nichts ein desillusionierender Anruf von einer Persönlichkeit aus dem Landkreis erreicht, welche ihn dazu aufforderte „die hybride Zuwanderung minderwertiger Völker umgehend zu stoppen“. Dies verdeutliche, von welcher Relevanz die Thematik noch immer ist.

In der anschließenden Diskussion zollten unsere Schülerinnen und Schüler der Autorin hohen Respekt. „Sie haben viel Mut und Kraft bewiesen, das haben Sie für uns alle gemacht“, so die Äußerung einer Schülerin.

„Es ist schön, zu sehen, dass es hier an den BBS Rotenburg Wümme bunt ist,“ äußerte die Afrodeutsche Dozentin zu Beginn der Veranstaltung, „denn bunt ist gut!“ Zum Ende ergänzt Mo Asumang: „Anders sein ist ein Mehrgewinn. […] Vielfalt sollten wir als Chance sehen.“ – In diesem Sinne appellieren auch wir als Schulgemeinschaft der BBS Rotenburg Wümme an all unsere Schülerinnen und Schüler: Ihr besucht eine Schule ohne Rassismus, eine Schule mit Courage. Bitte tragt dieses Verständnis von Toleranz und Offenheit nach Außen, hinterfragt Verhaltensweisen und Gegebenheiten, die ihr nicht versteht und seid Brückenbauer, wenn sich die Chance bietet.

(Jennifer Hillmann)