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Landwirte schaffen Präzision mit großem Gerät

Das Pflügen hat eine lange Tradition, denn der Pflug wendet den Boden und bringt somit Unkräuter, Ungräser und Pflanzenreste der vorangegangenen Ernte unter die Erde. Damit schafft der Pflug einen „reinen Acker“ für die nachfolgende Aussaat der neu anzubauenden Frucht. Diese kann nun erst einmal ohne weitere Unkrautkonkurrenz und bei nur geringem Pilz- und Schädlingsdruck keimen, aufgehen und sich zu einem gleichmäßigen und gesunden Pflanzenbestand entwickeln. Pflanzenbauliche Anschlussmaßnahmen wie zum Beispiel das Düngen der Bestände werden so in ihrer Effizienz gesteigert.

Aber, ordentlich, sauber und akurat zu Pflügen will gelernt sein, denn Meister fallen nicht vom Himmel. So werden Pflügerwettbewerbe seit mehr als 100 Jahren auf Kreisebene, Gebietsebene, Landesebene, Bundesebene und schließlich auf Weltebene durchgeführt, um das richtige und effiziente Pflügen stets weiterzuentwickeln, zu optimieren und auch um die besten Pflüger herauszukristallisieren. Auf Bundes- und Weltebene wird sogar in zwei Disziplinen, im „Graslandpflügen“ und im „Ackerlandpflügen“ um die besten Plätze gekämpft. Denn richtiges Pflügen steigert die Erträge und bringt gesunde Nahrungsmittel hervor.

Ist Pflügen noch zeitgemäß?  Eindeutig „Ja“, denn in Anbetracht der Umweltdiskussionen, dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und der Düngeproblematik erhält das Pflügen als grundsätzliche Bodenbearbeitung die Bodenfruchtbarkeit und steigert die Feldhygiene, so dass bei guter Pflugarbeit ein erheblicher Anteil Pflanzenschutzmittel, besonders Herbizide gegen Unkräuter, Fungizide gegen Pilzkrankheiten, Schneckenmittel und auch Mittel gegen Mäuse auf dem Ackerfeld reduziert und eingespart werden können und damit die Belastung der Umwelt mit Rückständen und letztendlich die Belastung des Menschen gesenkt werden kann.

Im Wettbewerb zu pflügen, macht einfach Spaß! Es steigert das Zusammengehörigkeitsgefühl und motiviert zu höherem Engagement für die Sache.

Einen Ackerschlag zu pflügen, will gut durchdacht sein, denn der Pflug dreht den Boden um 135 Grad und legt ihn damit zur Seite ab. So wendet der Pflug Furche um Furche nacheinander um und der Pflüger muss planerisch vorgehen, um den Acker fachgerecht vom Anfang bis zum Schluss ordentlich durchzupflügen. Die Regeln sind leicht zu merken:  1. „Der gesamte Acker ist umzupflügen“, kein Streifen darf liegenbleiben und 2. „Kein Land darf doppelt gepflügt werden“, da der Bewuchs, das Unkraut, die Erntereste dann ja wieder nach oben schauen und kein „sauberer Acker“ für die nachfolgende Frucht entsteht.

Im Herbst eine jeden Jahres , Ende Oktober werden diese  zwei „Pflügerregeln“ speziell an den Berufsbildenden Schulen Rotenburg von den landwirtschaftlichen Auszubildenden im praktischen Wettbewerb, der am 26.10.2019 auf den Flächen des Klangenshofes in Höperhöfen stattgefunden hat, mit sehr großem Engagement umgesetzt. Gut 60 Pflügerinnen und Pflüger, allesamt Auszubildende der Landwirtschaft, derzeit im 2. und 3. Ausbildungsjahr angekommen,  haben das Thema Bodenbearbeitung und Pflügen im Unterricht erarbeitet. Dabei kamen auch neu entwickelte E-Learning Module der DEULA- Nienburg zum Einsatz. In zwei praktischen Pflügerunterweisungen auf dem Acker, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der DEULA-Nienburg, haben diese 60 Auszubildenden mit insgesamt 11 Pfluggespannen in Kleingruppen das im Unterricht Erlernte in die Tat umgesetzt und eigenständig ein abgestecktes Pflugbeet nach den vorgegebenen Regeln gepflügt.

So vorbereitet traten dann am 26.10.2019 in Höperhöfen gut 40 Pflügerinnen und Pflüger zusammen mit ihren Teampartnern zum Wettbewerb an und bearbeiteten jeweils ein dem Pflug entsprechendes Beet selbstständig vom Anpflügen über das Weiterpflügen und Keilauspflügen bis hin zum Restbeetpflügen, um mit der letzten Fahrt genau an der Feldgrenze enden zu können. Und dieses alles unter den Augen einer 15-köpfigen Jury, bestehend aus den landwirtschaftlichen Ausbildern der Region. Wichtige Kriterien wie Furchenwendung, Einhalten der Tiefe, satter Furchenschluss und vollständige Unterbringung des Bewuchses waren entscheidend für die Rangierung und Platzierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So haben Lea Marie Hollmann, Leonie Sablotzke und Kai Lüdemann jeweils den ersten Platz für die drei Gruppen der Drehpflüger errungen und David Müller denjenigen für die Beetpflüger. Alle Sieger dürfen sich mit ihrem Namen auf den begehrten Wanderpokalen verewigen und erhalten zur Erinnerung eine Urkunde und eine von Schülern der BBS-Rotenburg gravierte Pflügerplakette.

(Euer Pflanzenbaulehrer Henning Bentz)